BEFEIN BEFREITES MENSCHSEINREITES

ERICH MÜHSAM

Anarchist, Bohemien und Dichter

EIN BEFREITES MENSCHSEIN

Mitwirkende
Bernd P. R. Winter: Rezitator Kassel
Aljoscha Langel: Schauspieler Staatstheater Kassel

v.l. Aljoscha Lange und Bernd P.R. Winter

Erich Mühsam wird 1878 als Sohn eines jüdischen Apothekers in Berlin geboren und wächst in Lübeck auf. Berlin, München, Zürich, Wien, Ascona, Paris waren Stationen seiner Befreiung aus den Fängen der verhassten bürgerlich-wilhelminischen Ordnung. 15 Jahre lang, von 1910 bis 1924, hat Erich Mühsam sein Leben festgehalten – ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber – und niemals langweilig, in seinen Tagebüchern.

Was diese Tagebücher so fesselnd macht, ist der wache Blick des Weltveränderers. Mühsam wollte Anarchie praktisch ausprobieren. Anarchie hieß für ihn: Leben ohne moralische Scheuklappen, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Normen – und er bewies, dass es geht. 

„Erich Mühsam besitzt den Mut, die Kraft, die Skrupellosigkeit, das zu tun, was keiner tut: Er beschreibt sein Leben, bevor es zum Bild gerinnt, und das Tagebuch hilft ihm dabei. Er lernte hungern, schnorren, mit Pfennigen überleben, alle Gelegenheiten nutzen, wie sie sich boten, um etwas Eigenes daraus zu machen – ein Stück befreites, selbstbestimmtes Leben. Die bunte soziale Mischung der Schwabinger Boheme und das relativ tolerante Klima Münchens boten ihm die Luft zum Atmen und den Raum zum Experimentieren. 

Seine literarisch-publizistischen Projekte, Gedichte, Aufsätze, Theater Rezessionen, dienen allein zum Gelderwerb zum Überleben. Nur so kann er Theaterbesuche bezahlen, Kultur und Zeitgeschichte verfolgen, erst danach folgen die Geselligkeiten der Cafés und des Schwabinger Nachtlebens. 

Unverdrossen jagt er Peppi, Lotte, Emmy, Uli und diversen Friedas nach und ganz am Ende kommt die Anarchie. Er hatte gelernt, radikal zu empfinden, zu denken, zu reden. Aber es ging darum, radikal zu leben. Das hieß für ihn, die bürgerlichen Zwänge, Heucheleien, Lebenslügen abzuwerfen. Er hatte gelernt, radikal zu empfinden, zu denken, zu reden. Aber es ging darum, radikal zu leben“. (1)

Kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde er von der SA verhaftet und 1934 im KZ Oranienburg nach über 16-monatiger „Schutzhaft“ von SS-Angehörigen ermordet. 

Schauspieler Aljoscha Langel vom Staatstheater Kassel und der Kasseler Rezitator Bernd P. R. Winter stellen in einer spannenden szenischen Lesung die Tagebücher und Gedichte von Erich Mühsam vor und machen die Nachwelt zum Zeugen eines spannenden Experiments.  

Erich Mühsam Tagebücher Band I Herausgeber von Chris Hirte und Conrad Piens Verbrecher Verlag

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