Erich Mühsam – Anarchist, Bohemien und Dichter

Mitwirkende
Bernd P. R. Winter: Rezitator Kassel
Bernd Hölscher: Schauspieler Staatstheater Kassel

Schauspieler Bernd Hölscher vom Staatstheater Kassel und der Kasseler Rezitator Bernd P. R. Winter stellen in einer spannenden Lesung die Tagebücher und Gedichte von Erich Mühsam vor und machen die Nachwelt zum Zeugen eines spannenden Experiments.

Erich Mühsam besitzt den Mut, die Kraft, die Skrupellosigkeit, das zu tun, was keiner tut: Er beschreibt sein Leben, bevor es zum Bild gerinnt, und das Tagebuch hilft ihm dabei. Berlin, München, Zürich, Wien, Ascona, Paris waren Stationen seiner Befreiung aus den Fängen der verhaßten bürgerlich-wilhelminischen Ordnung. Er lernte hungern, schnorren, mit Pfennigen überleben, alle Gelegenheiten nutzen, wie sie sich boten, um etwas Eigenes daraus zu machen – ein Stück befreites, selbstbestimmtes Leben. 

Die bunte soziale Mischung der Schwabinger Boheme und das relativ tolerante Klima Münchens bot ihm die Luft zum Atmen und den Raum zum Experimentieren. 

Unverdrossen jagt er Peppi, Lotte, Emmy, Uli und diversen Friedas nach, erst danach folgen die Geselligkeit der Cafés und des Schwabinger Nachtlebens, die literarisch-publizistischen Projekte und der Gelderwerb, die Beschäftigung mit Theater, Kultur und Zeitgeschichte, und ganz am Ende kommt die Anarchie. Er hatte gelernt, radikal zu empfinden, zu denken, zu reden. Aber es ging darum, radikal zu leben. Das hieß für ihn, die bürgerlichen Zwänge, Heucheleien, Lebenslügen abzuwerfen. 

Bernd Hölscher und Bernd P. R. Winter gelingt es in ihrer szenischen Lesung aus den Tagebüchern von Erich Mühsam den darunter verkümmernden Menschen freizusetzen und zu beweisen, daß Anarchismus mehr sein konnte als nur die Ablehnung von Herrschaft und Macht – nämlich der positive Entwurf einer mitmenschlichen Gesellschaft.

Schreibe einen Kommentar